Andreas Wenninger – Attaché für Wissenschaft und Bildung an der Botschaft der Republik Österreich in der Ukraine, leitet seit fast 20 Jahren das OeAD - Kooperationsbüro Lemberg in den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Bildung. Er erzählte Ukrainian Time von der Entwicklung der ukrainisch-österreichischen Beziehungen, von laufenden und künftigen Projekten.



- OeAD arbeitet mit der Nationalen Iwan-Franko Universität Lviv zusammen. Und mit welchen Institutionen  haben Sie gemeinsame Projekte und Kooperationen?

- Mit Dutzenden Kulturinstitutionen und Hochschulen und Universitäten sowie NGOs, mit dem Schwerpunkt Westukraine.

- Ich habe gelesen, dass Sie sehr aktiv an Lvivs Bewerbung um den Titel "Stadt der Menschenrechtsverteidiger" Teil genommen haben, und Wien hat schon diesen Status. Wie ist die Idee entstanden und warum ist es wichtig für Lviv?

- Die Initiative ging vom Educational center for human rights in lviv aus und wir unterstützen die Idee. Das Ziel, in den Verbund der Menschenrechtsstädte aufgenommen zu werden, ist ein Motor für die Stadtverwaltung, Veränderungen in der Stadt zu beschleunigen und die Stadt Lemberg für Investoren weiter attraktiv zu machen, wie dies auch im Falle des Titel „Weltkulturerbe-Stadt“ der Fall ist. Das postive Image und Branding der Stadt würde die Attraktivität der Stadt weiter erhöhen.

- Vom 28. August bis 13. September 2020 findet in Wien eine Ausstellung von Gemälden und Fotos ukrainischer Künstler statt. Was sind die Teilnahmevoraussetzungen?

- Die Ausschreibung ist sehr offen gehalten, Werke der bildenden Kunst und Fotografie können eingereicht werden. Eine uns unbekannte Jury wird dann eine kleine Gruppe von ukrainischen Künstlern und Künstlerinnen auswählen, die dann ihre Arbeiten nach Wien zur Ausstellung senden können. Altersvorgaben oder theamtische Vorgaben sind uns nicht bekannt.

- Welche wissenschaftlichen Projekte werden in der nächsten Zukunft geplant?

- Das Kooperationsbüro Lemberg unterstützt in erster Linie die Zusammenarbeit von Bildungskooperationen im Hochschulbereich (Universitäten, Fachhochschulen) als Vermittler in Bereichen Journalismus, Ökologie, Sozialmanagement, Psychotherapie und IT. Gemeinsame längerfristige Forschungskooperationen werden im Rahmen des bilateralen Abkommens für Wissenschaft und Technik (WTZ) zwischen Österreich und der Ukraine untertsützt. Hier reichen die Kooperationen von Biochemie, Telekommunkiation bis zur alternativen Energiegewinnung. In erster Linie handelt es sich dabei um naturwissenschaftliche oder technische Inhalte und Kooperationen. Einzelprojekte in Fächern, wie z.B. Geschichte, Germanistik, Translationswissenschaft, Architektur u.a. werden auf  Wunsch von österreichischen oder ukrainischen Wissenschaftern nach Möglichkeit unterstützt, wobei das Kooperationsbüro auch hier meist eine vermittelnde Rolle übernimmt.

- Der OeAD hat vor einigen Jahren die Geografie der Präsenz ausgeweitet, und jetzt haben Sie einen Lektor in Charkiw.

- Erzählen Sie uns, wie Sie dazu gekommen sind ,  und welche Erfahrung Sie in der neuen Region haben. In Charkiw besteht schon seit über 20 Jahren eine enge Kooperationen zwischen der Technischen Universität und der Alpen-Adria-Universität  Klagenfurt. Ein Double-Degree-Programm in IT ist in Arbeit. Über 20 Jahre fand in Charkiw ein von Österreich aus organisiertes und finanzierstes Sprachsommerkolleg statt und seit den frühen 90-er Jahren gibt es an der Staatlichen Korolenko-Bibliothek eine wissenschaftliche Österreich-Bibliothek, die bis heute sehr aktiv und erfolgreich Österreich-bezogene Veranstaltungen abhält. Die Entsendung eines OeAD-Lektors war logische Konsequenz und ist auf Ansuchen der Technischen Universität geschehen, die für den Ausbau der Zusammenarbeit mit der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt die Deutschkenntnisse der Mitarbeiter und Studierenden verbessern möchte.

- Im Mai findet die Uraufführung der Oper "Vyshyvaniy. Der König der Ukraine" über den Erzherzog Wilhelm in Charkiw statt. Was ist Ihre Meinung dazu? Planen Sie, die Uraufführung zu besuchen?

- Ein wichtiges Projekt! Ob ich Zeit finden werde, weiß ich heute noch nicht. In Österreich ist Wilhelm von Habsburg weniger bekannt als in der Ukraine und auch kein Held. Es wäre ganz wichtig, diese Aufführung nach Österreich zu bringen, um ihn dort einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Begeisterung über habsburgische Helden in Österreich hält sich in Grenzen.

- Ich habe auf Ihrer Seite bei Facebook gesehen, dass Sie gerne Frühstück kochen, besonders Omelettes. Was ist Ihr Lieblingsrezept?

- Ja, das macht mir besonders Spaß! Wobei ich bisher nur über Omelettes gepostet habe Je älter ich werde, umso mehr schätze ich die vegetarischen Varianten zum Frühstück. Aber die Basis jedes Omelettes ist wichtig. Zwei Eier zusammenschlagen kann jeder. Alles, was man mit Liebe und Freude zubereitet, schmeckt dann auch besser.

- Welche Hobbys haben Sie außerdem?

- Ich fotografiere und reise sehr sehr gerne.

- Sie leben schon sehr lange in Lviv. Möchten Sie in der Ukraine bleiben?

- Lemberg ist meine zweite Heimat, und ich denke gar nicht daran, die Ukraine zu verlassen. Die Nähe zu Wien ist mir wichtig, da ich dort auch Familie und Freunde habe. Von meiner Ausbildung bin ich auch Historiker und habe mich schon früh mit dieser Region Europas befasst. Als halber Ungar wollte ich mich beruflich eher in Ungarn betätigen, habe dann aber die Bewerbung nach Lemberg wahrgenommen, weil ich dachte, dass ein bis zwei Jahre in der Ukraine meinem Lebernslauf nicht schaden würden. Ich bin hängen geblieben und habe diese Außenstelle ausgebaut. Das Österreichische Kooperatonsbüro ist heute vielen Menschen bekannt und unsere Freunde werden von Tag zu Tag mehr.  Ich habe hier Geschichte erlebt: Zwei Revolutionen, den Krieg im Osten der Ukraine, das Erwachen der Zivilgesellschaft, europäische Reformen, Assoziierungsabkommen u.v.m. Die Ukraine ist geopolitsch wichtig und wird es auch bleiben. Vor 20 Jahren haben wir die gemeinsamen österreichisch-ukrainischen Wurzeln in der Geschichte, Literatur, Wissenschaft, Musik, Architektur gesucht: Joseph Roth, Soma Morgenstern, Ludwig von Mises, Karl Emil Franzos, Sacher Masoch, Willibald Besser und viele, viele mehr.  Heute unterstützen wir Zero-Waste-Partnerschaften, Musiktherapie-Erasmus-Projekte und internationale Journalismusschulen. Auch wir haben uns entwickelt und den Gegebenheiten und Verändreungen in der Ukraine und in Österreich angepasst.

- Verstehen Sie Ukrainisch? Sprechen Sie Ukrainisch?

Ich verstehe beinahe alles, auch Russisch. Habe aber so gut wie keine Praxis, weil sowohl im Büro als auch zu Hause Deutsch gesprochen wird und mit Projektpartnern meist Englisch. Alle jene Ukrainer, die mit österreichischen Partnern Projekte starten wollen, müssen Deutsch oder Englisch sprechen, so komme ich selten in Verlegenheit Ukrainisch im Büro sprechen zu müssen. Meine ukrainischen Freunde sprechen alle Deutsch oder Englisch auch. Ukrainischen Medien kann ich folgen, wenn auch um einiges langsamer.

- Auf  Ihrer Seite steht: The future belongs to those who believe in the beauty of their dreams. Können Sie Ihre Träume und / oder Pläne für die Zukunft mit unseren Lesern teilen?

- Beruflich, noch viele erfolgreiche Projekte mit glücklichen und motivierten Menschen. Privat, noch viele Reisen in entlegene Winkel Afrikas, einen Kontinent, den ich in den letzten Jahren entdeckt und lieben gelernt habe.