Andrii Hnatyshyn ist ein weltbekannter ukrainischer Komponist, Dirigent und Publizist, der sein ganzes Leben lang ukrainische Kultur und Musik im Ausland gefördert hat.

Bezug zu der Ukraine

Der Künstler wurde in der Region Lemberg geboren, wo seine Kindheit und Schuljahre vergingen. Er besuchte das Akademische Gymnasium Lwiw und studierte später an der Pädagogischen Fakultät der Musikhochschule (heute Lwiw Nationale Lysenko-Musikakademie) unter der talentierten Leitung des Komponisten Stanislav Lyudkevich, der Pianistin Galia Levitskaya, des Komponisten und Pianisten Nestor Nizhankivsky, des Komponisten und Musikwissenschaftlers Borys Kudryk.

Im Alter von 24 Jahren war er als Kulturreferent der Zweigstelle der ukrainischen Volksbildungsgesellschaft "Proswita" tätig. Dann bestimmte ein glückliches Ereignis seine Zukunft: Zu Ehren von dem Metropolit Andrey Sheptytsky fand ein Konzert mit Beteiligung vieler Chöre statt. Am erfolgreichsten war der Chor unter der Leitung des Studenten Andrii Hnatyshyn. Nach dem Auftritt vergab ihm Sheptytsky ein Stipendium, damit er sein Studium in Wien fortsetzte.

Erst 60 Jahre später, 1990, besuchte Andrii Hnatyshyn, der inzwischen weltbekannte Komponist und Dirigent, wieder seine Heimat und gab ein Konzert mit den Lemberger Philharmonikern.

Bezug zu Österreich

Mit 25 Jahren zog er nach Wien und begann sein Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Gleichzeitig wurde er Chorleiter der Ukrainischen griechisch-katholischen St.Barbara-Kirche in Wien.

1934 schloss er sein Studium ab und erhielt ein Diplom als Capella-Meister.

64 Jahre lang lebte und arbeitete er in Wien, förderte und entwickelte und unermüdlich ukrainische Kultur und Musik. Er beteiligte sich an öffentlichen Aktivitäten in den ukrainischen Gesellschaften „Sitsch“, „Hromada“ und „Jednist“ und schrieb Rezensionen und Artikel für ukrainische Zeitschriften.

Interessante Fakten

• Das schöpferische Erbe umfasst mehr als 260 Kompositionen, darunter zwei Opern ("Olena" nach der Erzählung von Markian Shashkevich und "Abenteuer der Oma" nach dem Märchen von Oleksander Oles‘), Stücke für Klavier, Violine, Cello, Liturgien und Chöre (der bekannte "Garten um das Haus“ nach Taras Schewtschenko), Verarbeitung von Volksliedern. Nach seinem Willen wurde das musikalische Erbe in der Vernadskii-Nationalbibliothek in Kyjiw aufbewahrt.

• Darsteller der Rolle des französischen Offiziers im österreichischen Film „Opernball“ (1939).

• Für herausragende Leistungen in der Musikausbildung und kreativen Tätigkeit ehrte der österreichische Bundespräsident Adolf Schärf 1963 Andrii Hnatyshyn als Professor. 1977 erhielt er eine Staatsauszeichnung - das Goldene Verdienstkreuz.

• Zum 80. Geburtstag von Andrii Hnatyshyn verlieh der Papst Johannes Paul II. dem Komponisten den Vatikanischen Staatspreis, den Titel des Ritterkommandanten des Ordens von St. Sylvester.

• Mehr als ein halbes Jahrhundert lang (1931-1995) leitete er den Chor der Ukrainischen griechisch-katholischen St.Barbara-Kirche in Wien, der unter seiner Leitung zu einem der besten in Europa wurde.

• 1980 sang der Chor auf Einladung des österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschleger in der Hofburger Präsidentenresidenz ein Konzert mit Werken von Andrii Hnatyshyn und ukrainischen Volksliedern. Seitdem haben der österreichische Präsident und seine Frau wiederholt regelmäßig Sonntagsgottesdienste in der St.Barbara-Kirche besucht.

• Zusammen mit dem Chor der Ukrainischen St.Barbara-Kirche hat er am weltberühmten Festival Wiener Festwochen Teil genommen. Dank den Bemühungen des Dirigenten wurde ukrainische Volks- und Kirchenmusik im österreichischen Radio ausgeführt. Dies waren 30-minütige Programme, die über ukrainische Bräuche und Volkskunst erzählten und Texte ukrainischer Lieder auf Deutsch erklärten.

• Seine Konzerte fanden in den renommiertesten Konzertsälen Wiens statt: Ein Konzert mit der Opernsängerin Ira Malaniuk fand im Wiener Musikverein in dem Brahms-Saal statt; anlässlich des 100. Jahrestages der Bruderschaft der Ukrainischen St.Barbara-Kirche gab es ein Konzert mit Teilnahme des Opernsängers Myroslav Starytsky im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses.  

• Ein unvergessliches Ereignis war 1988 der Auftritt des Dirigenten zusammen mit einem Chor von 600 Personen aus Europa, den USA und Kanada während einer feierlichen Liturgie zum 1000. Jahrestag der Taufe der Ukraine-Russ in der Peterskathedrale in Rom. Der Gottesdienst wurde von Papst Johannes Paul II. regiert.