Bohdan Lepkyj, Schriftsteller, Publizist, Übersetzer, Maler

Bezug zu der Ukraine

Lepkyj kam in der Familie des Pfarrers und Schriftstellers Sylvestr Lepkyj alias Marko Murawa in der Region Ternopil zur Welt. Hier verbrachte Bohdan seine Kindheit und Jugend, besuchte ein Gymnasium in Bereschany. Danach kam er zum Studium nach Österreich-Ungarn, aber seine Sehnsucht nach dem Mutterland ermutigte ihn im Jahr 1892, sein Studium an der Universität Lemberg fortzusetzen, wo sich Lepkyj literarisch engagierte. Nach der Absolvierung der Universität war er als Lehrer in seinem Heimatland tätig, gründete Zweigstellen der Organisation „Proswita“ und verbreitete ukrainische Bücher unter der Bevölkerung.

Bezug zu Österreich-Ungarn

Mit 19 Jahren entschied sich der Junge Künstler zu werden und bewarb sich um eine Stelle an der Wiener Kunstakademie, um Malerei zu studieren. Kurz danach wurde aber sein Schicksal durch einen Zufall besiegelt: er lernte in einem Zug Kyrylo Studynskyj, einen Studenten der philosophischen Fakultät der Wiener Universität kennen und ging nach seinem Rat zur philosophischen Fakultät über, wo er Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte zwei Jahre lang studierte und dabei weiter Malerei erlernte.

Lepkyj wurde zu einem aktiven Mitglied der Studentengemeinschaft „Sitsch“ in Wien, beteiligte sich am literarischen und gesellschaftlich-politischen Leben der ukrainischen Jugend. Zusammen mit Filaret Kolessa beschäftigte er sich mit ethnographischen Forschungen. In Wien lernte er auch den Künstler Mykola Ivasjuk kennen, befreundete sich mit ihm und malte unter seiner Betreuung weiter.

Während des Ersten Weltkrieges, im Jahr 1915, wurde Lepkyj zur Österreichischen Armee mobilgemacht und in Truppenlager geschickt, wo er Kultur- und Bildungsarbeit für ukrainische und russische Kriegsgefangene ausübte, und zwar im Truppenlager bei Baden (heute Niederösterreich). Hier nahm er an der Herausgabe der Zeitschrift „Bulletin der Befreiungsunion der Ukraine“ und an der Tätigkeit des Kulturrates Teil.

Interessante Tatsachen

• Seine Pseudonymen waren: Fedir Kryguletskyj, Nestor Jaroslaw Martschenko, L. Bogdan, Sen Bren, Petro Tychyj, Tojsam, B. Bereschanskyj.

• 14 Gedichtsammlungen und 12 Sammlungen von Erzählungen wurden geschrieben; das größte Werk war die historische Roman-Epopöe „Mazepa“ in 5 Bänden, an der er fast 30 Jahre lang arbeitete.

• Seine noch zu seinen Lebzeiten herausgegebenen Werke wurden weder im Russischen Reich noch in der UdSSR verlegt. Nach der „Befreiung“ der Westukraine durch sowjetische Truppen waren seine Werke aus dem Gebrauch entzogen und die meisten davon vernichtet.

• Ivan Franko charakterisierte Poesie von Lepkyj wie folgt: „die Weiche des Kolorits und Zärtlichkeit des Gefühls“, und seine Übersetzung des Werkes „Das Wort über Igors Regiment“ bestimmte er als die beste in der Zeit.

• 15 Jahre lang unterrichtete er ukrainische Sprache und Literatur an der Krakauer Universität in Polen, wo er den Lehrstuhl für ukrainische Literatur leitete. Später wurde er zum Professor der Jagellonen-Universität. Während des Lebens in Krakau wurde er zum Senator des polnischen Sejms gewählt, in dem Ukrainer von Galizien in den Jahren 1938-1939 vertrat.

• In Berlin war er für das Ukrainische Rote Kreuz tätig und unterrichtete ukrainische Literatur bei der Botschaft der Ukrainischen Volksrepublik.

• Während des Lebens in der Stadt Wannsee bei Berlin hatte er oft Treffen mit Pawlo Skoropadskyj, dem ehemaligen Hetman, Jewhen Petruschewytsch, dem Präsidenten der Westukrainischen Volksrepublik, und anderen hervorragenden ukrainischen Persönlichkeiten.

• Das Lied „Kraniche“ wurde im Film „Die geheime Staffel“ vorgeführt.

• Einige Werke wurden verfilmt, inszeniert, und zwar der Zyklus der Erzählungen über Ivan Mazepa wurde im Stück „Mazepa, Hetman der Ukraine“ (von B.Melnytschuk) inszeniert.