Oleksandr Kandyba (05.12.1878 – 22.07.1944) war ein bemerkenswerter Dichter und Schriftsteller sowie ein talentierter Dramaturg, Herausgeber, Publizist, Literaturkritiker und Übersetzer.


Beziehung zu der Ukraine


Er wurde in Bilopillja, einem Städtchen in der Nähe von Sumy, im ehemaligen Gubernium Charkiw (heutige Oblast Sumy), in einer Bauernfamilie geboren. Seine Mutter brachte ihm das Lesen im Alter von nur vier Jahren bei. In dieser Zeit machte er seine erste Bekanntschaft mit den Werken von Taras Schewtschenko.

Mit 15 schrieb Oleksandr bereits seine ersten Gedichte. Im Alter von 27 Jahren kam der literarische Durchbruch, als seine erste Publikation im Almanach „Bahattja“ (wörtl. „Das Lagerfeuer“) erschien.

Im Februar 1919 fluchte Oleksandr vor den Bolschewiki und trat als Kulturattaché der Vertretung der Ukrainischen Volksrepublik in Budapest bei.


Beziehung zu Österreich


Im März 1919 zog der 41-jährige Oleksandr Oles nach Wien um, nachdem es in Ungarn zu militärischen Ausschreitungen gekommen war. Sofort nach seiner Ankunft begann er an dem soziopolitischen Leben der ukrainischen Gemeinde aktiv teilzunehmen. In Wien arbeitete der ukrainische Dichter in der Botschaft der Ukrainischen Volksrepublik; war einer der Gründer des Ukrainischen Clubs; 1921 trug er zu der Gründung der Ukrainischen Freien Universität bei; war einer der Gründer und stellvertretender Obmann der Union der ukrainischen Journalisten und Schriftsteller und initiierte die Herausgabe von Zeitschriften „Na perelomi“ (wörtl. „Am Wendepunkt“) und „Smich“ (wörtl. „Das Lachen“); arbeitete mit Anton Kruschelnyzkuj und dem Hilfskomitee für die Hungernden in der Ukraine zusammen. Er organisierte den Kauf von Medikamenten und medizinischen Instrumenten für die Hauptdirektion des Generalstabs der Ukrainischen Volksrepublik.

In Wien wurde seine Satirensammlung „Perezwa“ unter dem Pseudonym Walentin herausgegeben.

Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage musste die Ukrainische Freie Universität 1921 nach Prag umziehen. Deswegen verließ auch die Familie Kandyba die österreichische Hauptstadt.


Interessant zu wissen


• Sein künstlerisches Erbe beträgt zehn Gedichtsammlungen.

• Seine Ehefrau nannte ihn liebevoll "Oles", weshalb er seine erste intime Dichtung unter diesem Pseudonym herausgab. Später verwendete er diesen Namen für alle seine Werke.

• „Seine meisten Werke schrieb er in Kaffeehäusern, Biergärten oder zuhause, beim Frühstückstee auf losen Papierblättern, die er oft verlor oder vergas. Er konnte keine Festessen und eigene Jahrestage leiden,“ erinnerte sich seine Ehefrau.

• Iwan Franko hatte Oleksandrs Gedichte mit Musik verglichen. Wolodymyr Korolenko nannte ihn den „ukrainischen Heine“. Lesya Ukrajinka gab zu, dass sie nach Oleksandr Oles keine Dichtung mehr schreiben konnte. Mychajlo Hruschewskyj sagte über ihn: „Die Ukraine hat einen Lyriker bekommen, auf den sie seit Schewtschenkos Zeit wartete.“

• Er war mit Olha Kobyljanska und Wolodymyr Hnatjuk befreundet. Pawlo Tytschyna hatte Oles als seinen Lehrer und Mentor betrachtet und widmete ihm seine erste Gedichtsammlung.

• Es war Oles, der 1920 die Idee für die Gründung einer Bildungseinrichtung im Exil vorstellte. Er bekam auch das nötige Geld für diese Universität , indem er seine Bücher verpfändete.